Die Manzanilla, der Seewind und das Salz…………
Sherry ist mit vielen Mythen versehen, die nur zum Teil stimmen, manchmal haben Sie einen wahren Hintergrund, manchmal sind sie einfach eine schöne Geschichte ohne Wahrheit, da müssen wir mal ein wenig aufräumen!
Ja, es heißt DIE Manzanilla, auch wenn es in unseren Ohren etwas befremdlich klingen mag, aber es heißt nun mal El Fino und La Manzanilla. Stolz wird in Sanlúcar darauf hingewiesen, dass die Manzanilla, der einzig weibliche Wein ist, man nenent sie auch DIE SEÑORITA UNTER DEN SHERRYS
In fast jedem Buch oder Führer liest man, dass die Manzanilla besonders salzig ist, weil dieser Wein in Sanlucar, direkt am Atlantik ausgebaut wird und der stete Seewind die Bodegas durchzieht aber stimmt das auch?
Nun, eine salzige Note ist in der Manzanilla durchaus zu schmecken, aber ich bin mir sicher, wenn ich ein Fass mit Riesling an den Langeooger Strand stelle wird der nach einiger Zeit nicht salzig schmecken (käme mal auf einen Versuch an…), woher kommt dann aber die Salzigkeit im Wein?
Der salzige Eindruck entsteht durch den niedrigen Glyceringehalt!
Manzanilla wird, genau wie Fino unter einer Schicht aus Florhefe ausgebaut, neben Alkohol und weiteren Stoffen ‚ernährt‘ sich die Florhefe auch von Glycerin, einem Begleitstoff der alkoholischen Gärung. Ganz vereinfacht gesagt, je weniger Glycerin im Wein, desto ‚salziger‘ kommt uns der Wein am Gaumen vor.
Durch die Nähe zum Atlantik weht der Wind in Sanlucar (nur von hier stammt die Manzanilla) hier natürlich heftig, die Florhefe bekommt viel Sauerstoff, den Sie zum Gedeihen braucht und kann sehr aktiv arbeiten, aber auch die Finos aus Jerez weisen eine schöne Salzigkeit auf, die Entfernung zur Küste beträgt ja auch noch nicht mal 30 Kilometer, ganz zu schweigen von den Finos aus El Puerto de Santa Maria, immerhin liegt dieses Städtchen auch am Atlantik.
Hinzu kommt, der Florhefe ist es völlig egal, ob die Luft vom Atlantik oder sonst woher kommt, Sie benötigt den Sauerstoff und nicht das Salz, wie sonst ist es zu erklären, dass auch die Finos aus Montilla-Moriles, immerhin mehr als 200 Kilometer ins Landesinnere eine salzige Note versprühen?
Auch oder sogar -obwohl- sie aus der PX-Traube produziert werden.
Aber eines ist gewiss, ein Glas Manzanilla und ein paar feine Meeresfrüchte und wir riechen das Meer, ob eingebildet oder echt ist völlig egal